Durch den Start der DTB Deutsche Terminbörse am 26. Januar 1990 wurden vor genau 30 Jahren die technischen Grundlagen für einen effizienten Finanzterminmarkt in Deutschland geschaffen. Heute ist der Handel mit Optionen und Futures aus der professionellen Vermögensverwaltung nicht mehr wegzudenken. Begleiten Sie uns auf einem kurzen Streifzug durch eine (bisher) 30-jährige Erfolgsgeschichte. 

Termingeschäfte sind keine neuartige Erfindung des „ausschließlich auf Profitmaximierung ausgerichteten Raubritterkapitalismus“, wie er erfolgreichen Börsenakteuren gerne unterstellt wird. Vielmehr reicht der europäische Terminhandel bis ins 16. Jahrhundert nach Amsterdam zurück. Hier spielten Terminkontrakte unter anderem bei der Tulpenspekulation eine wichtige Rolle. Die erste reine Terminbörse (für Reis) wurde 1732 im japanischen Osaka gegründet, 1880 führte die New Yorker Börse den Terminhandel mit Kaffee ein. Um seine Handelsposition nicht zu verlieren folgte Hamburg 1887. Im Mittelpunkt stand dabei die Absicherung gegen Preisrisiken und trotz aller Skepsis ließen sich nach kurzer Zeit auch anfängliche Kritiker überzeugen. Nach dem schwarzen Donnerstag / Freitag 1929 wurde der Terminhandel verboten und hierzulande erst 1954 (Zucker und Kaffee) wieder aufgenommen.

Schaffung eines effizienten Termin-und Optionsmarktes

Zum Schutz von Anlegern und Geschäftsleuten vor den (vermeintlichen) Gefahren derartiger Finanzgeschäfte war Termingeschäfte auf Wertpapierbasis in Deutschland noch bis 1970 untersagt. Anschließend durfte zwar gehandelt werden, erst mit dem Start der DTB Deutsche Terminbörse am 26. Januar 1990 und dem damit verbundenen Einsatz eines vollautomatischen Börsen- und Clearing-Systems wurden aber die technischen Voraussetzungen für einen tatsächlich effizienten Termin- und Optionsmarkt geschaffen. Ausschlaggebend hierfür war das spektakuläre Wachstum des Transaktionsvolumens an Terminbörsen rund um die Welt als Resultat der seit Anfang der siebziger Jahre kontinuierlich zunehmenden Volatilität an den Finanzmärkten. 

Begonnen wurde an der DTB mit Optionen auf deutsche Aktien, die anders als an den herkömmlichen Parkettbörsen fortlaufend und ohne Einschaltung eines Kursmaklers gehandelt wurden. Für eine Grundliquidität sorgten dabei erstmals Market Maker, die sich dazu verpflichten mussten, jederzeit verbindliche Kauf- und Verkaufsangebote zu stellen. Der Handel mit DAX-Optionen und DAX-Futures wurde 1991 eingeführt und das Produktspektrum in den folgenden Jahren immer weiter ausgebaut. 

Aufstieg in die Weltliga

Durch den Zusammenschluss der DTB mit der zur SWX Swiss Exchange gehörenden SOFFEX (Swiss Options and Financial Futures Exchange) kam es 1998 dann zum Aufstieg in die erste Liga. Seither zählt die European Exchange, kurz Eurex, zu den weltweit größten Terminbörsen für Futures und Optionen. Heute werden an ihr Derivate auf annähernd tausend Aktien und 200 Aktienindizes gehandelt. Hinzukommen unzählige Zins-, Währungs-, Rohstoff-, Volatilitäts-, Dividenden- und Immobilienderivate. Selbst Optionen und Futures auf ausgewählte ETFs stehen dem Anlegerpublikum inzwischen zur Verfügung. Dabei wurden 2019 annähernd zwei Milliarden Kontrakte mit einem zugrundeliegenden Basiswertvolumen von 121 Bio. Euro (Doppelzählung) gehandelt. Durch diese Vielfalt sowie die hohe Liquidität, die vollständige Transparenz und den Entfall des individuellen Kontrahentenrisikos sind Eurex-Produkte aus der professionellen Vermögensverwaltung nicht mehr wegzudenken. Angefangen von der klassischen Anlage und der Spekulation auf steigende oder fallenden Preise diverser Assetklassen über das Hedging bis hin zum Aufbau komplexer Strategien, mit denen sich in ganz unterschiedlichen Marktphasen Erträge erzielen lassen, ist nahezu alles möglich.

Stillhalten und Prämien kassieren

Die Wallrich Asset Management AG tritt an der Eurex insbesondere als Stillhalter von Out-of-the-Money Puts auf („PutWrite-Strategie“). Dadurch bietet sie anderen Marktteilnehmern die Möglichkeit, sich gegen größere Kursrücksetzer abzusichern. Während die Nachfrage nach derartigen „Versicherungsprodukten“ gerade in Zeiten starker Unsicherheit relativ hoch ist, sind nur wenige Investoren gewillt bzw. dazu in der Lage, diese Position einzugehen. Begründet ist dies insbesondere in den hohen Margin-Anforderungen sowie dem Risiko, welches mit dem Schreiben ungedeckter Verkaufsoptionen verbunden ist. Entsprechend attraktiv – gemessen am empirischen Investitionsrisiko – fallen damit allerdings auch die Optionsprämien aus, die hierfür vereinnahmt werden können. Ablesen lässt sich dies etwa am Kursverlauf des Euro Stoxx 50 PutWrite-Index, der die Entwicklung einer verbrieften Optionsstrategie nachvollzieht, bei der monatlich rollierende Put-Optionen auf den EuroStoxx 50 verkauft werden. So hat der besagte Optionsindex die Net Return-Variante des wichtigsten europäischen Aktienmarktbarometers seit Anfang 2000 (Rückrechnung und ab Oktober 2009 reale Daten) um über 170 Prozentpunkte outperformt (Sand 31.12.2019). Siehe hierzu auch „Risikoreduzierung mit Optionsverkäufen“