Wolfgang Packeisen, ADP Investment Management AG

Demütige Analysten und Volkswirte

Thomas Meyer, deutscher Chef-Volkswirt bei DB-Research gesteht mit Bezug auf die Finanzkrise, folgende bittere Lektion gelernt zu haben: Schuld sei die Neigung unter Volkswirten und Analysten, ökonomische Thesen im „Abzugsverfahren“ zu formulieren (analog zur Natur-Wissenschaft) statt per „Induktion“ (analog zur Sozial- und Geschichts-Wissenschaft). Volkswirtschaft sei zu quantitativ geworden (mathematisch). Anders formuliert: Wer die Geschichte ignoriert läuft Gefahr, die Fehler der Vergangenheit zu wiederholen:

For us as economists, the lesson from recent events should be to rely less on the development of theories by ”deduction“ (like in natural sciences) and to apply more ”induction“ (like in social and historical sciences). Failure to study history makes us repeat the mistakes of the past.

Medien-Spektakel:

Die Klagen über unfähige Politik(er) ignorieren, dass die Presse einen gewaltigen Anteil an der Krisen-Eskalation hat. Die Presse kassiert mittlerweile fast täglich schallende Ohrfeigen. Wie rivalisierende Banden rangeln Medien und Politiker um Spitzenplätze in der Kategorie „Glaubwürdigkeits-Verlust“. Selbst “reputierliche” Organe werden zum Brandbeschleuniger (fahrlässige Verbreitung von Halb- und Unwahrheiten). Beispiele: Der Siemens-Konzern dementierte einen Bericht der Financial Times, wonach Konzern-Gelder von französischen Banken zur EZB umdisponiert wurden. Die amerikanische Fed leugnete einen Bericht im Wall-Street-Journal (Abzug von Geldern bei EU-Banken), während ein New-York-Times Artikel über einen Kollaps der Societe Generale als falsch entlarvt wurde. Abseits fragwürdiger Geheimdienst-Methoden der englischen Murdoch-Presse kommt es fast täglich zum offenen Rechtsbruch durch renommierte Presse-Organe (wahllose Falschmeldungen zum Schaden Dritter). Die Medien schüren mit täglichen Hiobsbotschaften die Ängste der Sparer und Investoren und richten ohne Rücksicht auf die wirtschaftlichen Folgen einzigartigen Flurschaden an. Die verzweifelt um eine Stabilisierung der globalen Finanz-Architektur ringenden Politiker sind diesem belagerungs-ähnlichen Dauer-Beschuss nahezu wehrlos ausgesetzt. Weitere Beispiele der Folgen solcher Medien-Kampagnen: Chinas Staatsbank hat jetzt aus Angst das FX-Geschäft mit BNP und UBS suspendiert.

Themen-Wechsel - Tägliche Einlagen bei EZB steigen weiter. Es gibt mehr als ausreichende globale Liquidität, um die Verbindlichkeiten der Welt zu finanzieren. Doch die verängstigten Anleger wollen lieber eine „staatliche“ Garantie von der Zentralbank, als hohe Zinsen. Den Geldhütern bleibt keine Wahl: sie werden zur Zentral-Stelle für Einlagen und schleusen das Geld dort in die Wirtschaft, wo es gebraucht wird, bis der private Kapitalmarkt das Risiko wieder selber akzeptiert. Einstweilen dient der Gewinn aus diesem Geschäft dem Staat zur Tilgung der Schulden.

Führende Republikaner haben die US-Fed in einem offenen Brief davor gewarnt, die unkonventionelle Geldpolitik auszudehnen!

Angeblich will die Schweiz den EURCHF-Kurs von 1,20 auf 1,25 anheben – der Franken ist darauf unter Druck (1,2250)!

Das Defizit im Primär-Haushalt Griechenlands beträgt monatlich €2 Mrd. Laut Credit Suisse ist es für die EU billiger, das Loch zu finanzieren, als einen Konkurs in Kauf zu nehmen.

Abflüsse aus US-Aktienfonds größer als nach Lehman-Pleite

Investoren haben seit Ende April mehr Geld aus US-Aktienmarktfonds abgezogen als in den fünf Monaten nach der Pleite von Lehman Brothers Holdings Inc. im Jahr 2008. Den Berechnungen zufolge wurden in den vergangenen vier Monaten aus US-Aktienmarktfonds etwa $75 Mrd abgezogen, während der Vergleichswert für die fünf Monate zwischen Oktober 2008 und Februar 2009 bei $73 Mrd lag. Für Unruhe bei Investoren sorgen offenbar Aussagen bekannter Volkswirte und Analysten. Für den US-Wirtschaftnobelpreisträger Paul Krugman beispielsweise ist ein Zusammenbruch des Euro möglicherweise “eine Frage von Tagen”. Das schrieb er vergangene Woche in einer Kolumne für die New York Times.

“Der einzelne Investor ist sehr frustriert” erklärt Walter Todd von Greenwood Capital. Leo Grohowski von BNY Mellon weist darauf hin, dass für mittelfristig und langfristig orientierte Anleger der Markt unterbewertet sei. “Es wäre nicht klug, im Moment das Engagement bei Aktien zu reduzieren - weil viele schlechte Nachrichten bereits eingepreist sind.”

Brian Barish von Cambiar Investors LLC in Denver warnt: gerade der Umfang, in dem sich Investoren derzeit aus Aktienfonds zurückziehen, ist ein Zeichen für eine bevorstehende Rally. “Die fünf Monate nach Lehman waren eine epische Kauf-Gelegenheit, dennoch stiegen die Investoren in Massen aus”, sagt er. “Leider ist das Timing von Kleinanlegern tendenziell schlecht. Ich erwarte nicht, dass sich daran dieses Mal etwas ändert.”

Deutsche Anleger laut ZEW so pessimistisch wie zuletzt 2008

Die Zuversicht der deutschen Investoren ist so gering wie seit über zweieinhalb Jahren nicht mehr. Der Index über die Konjunkturerwartungen des Mannheimer Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) fiel im September auf -43,3 (August -37,6). Er soll die Konjunkturentwicklung der nächsten sechs Monate prognostizieren. So niedrig wie in diesem Monat war der ZEW-Index seit Dezember 2008 nicht mehr. Volkswirte hatten mit einer noch stärkeren Eintrübung der Stimmung gerechnet. “Im Moment gibt es fast nur schlechte Nachrichten”, sagte Carsten Klude, Anlage-Chef bei M.M. Warburg & Co. in Hamburg.

ABN Amro wird optimistisch in Bezug auf Aktien

ABN Amro Private Banking sieht den Aktienmarkt inzwischen positiv. Dabei verweist die Bank auf den jüngsten Kursrutsch sowie die Anstrengungen der Politik, die Schuldenkrise in Europa einzudämmen. “In Europa gibt es Zusicherungen, dem Markt Liquidität bereitzustellen”, sagte Investmentvorstand Didier Duret. “Wir haben keine Anzeichen für eine globale Rezession gesehen.” Duret betreut Investments im Volumen von rund $240 Mrd.

Vergangene Woche kündigte die EZB an, in Abstimmung mit der Fed und anderen Notenbanken 3 Dollar-Tender durchzuführen, um sicherzustellen, dass die Geschäftsbanken bis zum Jahresende über genug Liquidität in US-Währung verfügen. “Die Notenbankreaktion wird Liquidität bereitstellen, um ein mit Lehman vergleichbares Ereignis zu vermeiden, selbst in dem Fall, dass es eine massive Häufung negativer Ereignisse gibt”, sagte Duret. Er rät zum Kauf von Aktien, bei denen die Dividendenrenditen höher sind als die Renditen der Unternehmensanleihen. Unter anderem empfiehlt er Titel des Mobilfunkkonzerns China Mobile Ltd., des Ludwigshafener Chemieriesen BASF und des texanischen Ölkonzerns ConocoPhillips. “Selbst wenn sich das Gewinnwachstum verlangsamt oder geringfügig zurückgeht, werden die Unternehmen die Dividenden nicht senken”, sagte Duret. “Schließlich verfügen sie über beispiellose Barmittel-Bestände.” Analysten gehen laut einer Bloomberg-Umfrage davon aus, dass die Unternehmen im MSCI-World-Index ihre Ausschüttungen an die Aktionäre 2012 um 8% steigern.

 

 

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